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17.05.2026 Interaktive Porträt Malaktion
Einige Gedanken zur Portrait-Aktion der Künstlerin Doris Trzaska
Klassischerweise sollen Personen für ein anzufertigendes Portrait stillsitzen – die Künstlerin Doris Trzaska fordert das gerade nicht ein; sie sucht vielmehr das Gespräch, eine gewisse Interaktion mit dem Modell.
Ihre Aufforderung oder der Wunsch zu Beginn einer jedweden Arbeit an die gegenübersitzende Person, das fertige Werk handschriftlich – quasi ins Bild hinein – zu „kommentieren“, soll diesen Dialog zusätzlich „befeuern“, und zugleich das oftmals statisch dasitzende Gegenüber „öffnen“, soll die inneren Überlegungen, Gedanken und Gefühle im Moment des Portraitiert Werdens aktivieren und in Mimik und Gestik aufscheinen lassen – vor allem das Nachdenken bezüglich des eingeforderten Bild-Kommentars.
Doris Trzaskas Portraits zielen auf das Wesentliche oder Innere einer Person, nicht auf eine naturalistische Wiedergabe des Äußeren. Traditionelle Gattungs-Elemente wie Kleidung, Attribute und Hintergrunds-Staffage blendet sie aus, um nicht vom Inneren abzulenken. Sozialer Status und Beruf sind ihr nicht wichtig.
Letztlich ist das Portrait für sie ein Spiegel der aktiv generierten (aber zeitlich begrenzten) Kommunikation und situativen Wahrnehmung von „Maler und Modell“.
Genau das spiegelt auch ihre Art des Zeichnens und Malens, die man zu Recht als offen und suchend beschreibt, jegliches Endgültige oder Ewige vermeidend.
Das fertige Portrait ist dann aber auch eine Art Collage oder Montage, als hier zwei unterschiedliche Dinge bzw. Ebenen kombiniert werden – einerseits Malerei und Schrift, als auch die „Position“ oder Setzung der Künstlerin mit der verbalen Äußerung des Modells.
Diese montageartige Kombinatorik eröffnet sowohl für den Betrachter als auch für die aktiv Beteiligten einen spannenden Dialog, kein simple bzw. eindimensionale Rezeption – was ja auch im Malprozess, d.h. den „Dialog“ und/oder „Beteiligungsbezug“ betreffend, angelegt wurde.
Und so wird erneut auch die spezifische Mal- und Zeichentechnik der Künstlerin zu befragen sein.
Generell ist anzumerken, dass Doris Trzaska (wie viele in der gegenwärtigen Künstlerinnen-Szene) sich von überkommenen ästhetischen Klassifizierungen befreit; so zeichnet und malt sie, fotografiert und filmt sie, inszeniert sie künstlerische Aktionen (…) und auch die vermeintlich klassischen Werkgattungen werden oft grenzüberschneidend kombiniert.
So sind ihre Portraits zugleich (!) zeichnerisch linear unterwegs als auch malerisch flächig und artikulieren so einen Schwebezustand zwischen Farbflächen und linearen Gebilden. Die klassische Ordnung und Hierarchie werden zugunsten offener Formen und offener „Dialoge“ von Form und Farbe überwunden.
Ihre deutlich eingebrachte Handschriftlichkeit (nahezu gestisch) – sowohl in der Setzung von Formen als auch der Farbflächen – kennzeichnet ihre Intention, ihre Vorstellung vom Portrait. Es gilt das Hier und Jetzt einzufangen, die momentane „Beziehung“ von Malerin und Modell. Und hier weiß sich die Künstlerin in der Tradition der Moderne verortet – der „Befreiung“ von Form und Farbe vom Zwang abbildhafter Illusion. Gerade die zu sich selbst gebrachten bildnerischen Elemente – Farbe, Linie, Form, handschriftlicher Bewegungsduktus (…) ermöglichen dem Betrachter eine intensive und unmittelbare Erfahrung von Stimmungen und Gefühlen, die er dann der dargestellten Person zuschreiben kann.
Ulrich Marquardt, Kunsthistoriker